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Praxisassistenzprogramm: Rückenwind für die Hausarztmedizin
Der Kanton Bern baut sein erfolgreiches Praxisassistenzprogramm noch einmal deutlich aus. Der Grosse Rat hatte Anfang Juni beschlossen, das Förderinstrument für die Jahre 2027 bis 2031 weiterzuführen. Dabei ging das Parlament noch über den Antrag des Regierungsrates hinaus: Statt jährlich 2,25 Millionen Franken stehen künftig bis zu 3 Millionen Franken zur Verfügung.
Das Programm ermöglicht angehenden Haus- und Kinderärzt:innen eine mindestens sechsmonatige Weiterbildung in einer Lehrpraxis. Dort lernen sie den ambulanten Berufsalltag kennen – einen Bereich, der in der weiterhin stark spitalorientierten ärztlichen Weiterbildung sonst nur begrenzt abgebildet wird. Der Kanton beteiligt sich an den Lohnkosten, die Lehrpraxen tragen einen eigenen Anteil.
Kanton Bern als Pionier seit 20 Jahren
Lanciert wurde das Berner Praxisassistenzprogramm 2008 als Modellversuch mit jährlich 21 Praxisassistenzstellen. Damit gehörte Bern schweizweit zu den Pionieren einer gezielten, kantonal getragenen Nachwuchsförderung für die Hausarztmedizin. Aus dem Versuch entwickelte sich rasch ein dauerhaftes und kontinuierlich ausgebautes Programm: Bis 2018 standen jährlich 21 Stellen zur Verfügung, 2019 wurde ihre Zahl auf 35 erhöht.
Ab 2023 kamen zehn weitere hinzu, womit Bern mit 45 Stellen das schweizweit grösste kantonale Praxisassistenzprogramm führte. Neben der Zahl der Plätze wurden auch die Begleitung, das Mentoring sowie die Koordination und Qualitätssicherung am Berner Institut für Hausarztmedizin laufend weiterentwickelt.
Der Kanton Bern nimmt damit bis heute eine Vorreiterrolle ein. Das Programm verbindet eine substanzielle Finanzierung mit einer festen Koordinationsstelle, einer systematischen Begleitung der Teilnehmenden und regelmässigen Evaluationen. Diese Verbindung von Umfang und inhaltlicher Tiefe macht das Berner Modell auch über die Kantonsgrenzen hinaus zu einer wichtigen Referenz. Andere Kantone orientieren sich an den Erfahrungen aus Bern, wenn sie ihre eigenen Programme aufbauen oder weiterentwickeln.
Lohnende Investition in den regionalen Nachwuchs
Für die nächste Förderperiode hatte der Regierungsrat vorgeschlagen, die Zahl der Stellen von 45 auf mindestens 55 zu erhöhen. Mit den zusätzlichen Mitteln des Grossen Rates entsteht nun Spielraum für einen noch weitergehenden Ausbau. Gleichzeitig wird die Laufzeit von vier auf fünf Jahre verlängert, das Finanzierungsmodell vereinheitlicht und die Koordinations- und Qualitätssicherungsstelle am Berner Institut für Hausarztmedizin (BIHAM) gestärkt. Weitergeführt wird auch ein Fonds zur Unterstützung von Lehrpraxen in strukturell benachteiligten Regionen.
Die Investition zeigt Wirkung, was Zahlen des BIHAM belegen: Rund 80 Prozent der ehemaligen Teilnehmenden arbeiten später in einer Praxis im Kanton Bern oder streben dies an. Für 90 Prozent war die Praxisassistenz für diesen Schritt entscheidend; knapp 40 Prozent liessen sich direkt in ihrer Lehrpraxis nieder. Weil sämtliche Plätze jeweils frühzeitig vergeben sind und die Nachfrage das Angebot seit Jahren übersteigt, ist der Ausbau auch eine Antwort auf den wachsenden Hausärztemangel. Der Entscheid des Grossen Rates ist damit ein klares Bekenntnis zu einer wohnortsnahen medizinischen Grundversorgung.